Do. Mai 19th, 2022

Die Frage taucht immer wieder auf, was hat Euch bewogen nach Ungarn zu ziehen? Warum ausgerechnet Ungarn? Warum in dieses Land welches immer wieder in der Kritik steht? Welches von den Medien immer wieder als Diktatur und nicht rechtsstaatlich hingestellt wird?

Zugegeben, zuerst war es nur Zufall der uns überhaupt auf dieses kleine Land im Osten Europas aufmerksam gemacht hat. Wie schon im allerersten Beitrag erzählt war es ein Artikel in einer Zeitung. Im Internet habe ich dann viel gelesen, mich informiert. War fasziniert von der abwechslungsreichen Natur und Tierwelt. Ich habe gelesen das Familie hier noch wichtig ist, das Ungarn ein sehr sicheres Land ist. Alles Punkte die für dieses Land sprachen. Und für mich ganz wichtig, ein Land in Europa, sodass ich ohne Probleme nach Deutschland zu meiner Familie reisen kann, oder diese zu mir.

Jetzt nach vier Jahren Ungarn, um viele Erfahrungen reicher, weiß ich das alles genannte auch zutrifft. Ungarn war und ist die richtige Wahl für mich. An einiges habe ich mich schnell und gerne gewöhnt, anderes hat ein wenig gedauert.

Ich liebe die Märkte mit ihren frischen und einheimischen Waren. Am liebsten kaufe ich bei kleinen Händlern, mit geringem Angebot. Da kann ich sicher sein, Obst und Gemüse wurde frisch im eigenen Garten geerntet. Das schmeckt man. Auch ist es besser zu lagern als Discounter Ware. Ich mag diese Ruhe und Gelassenheit, Stress und Hektik scheint es nicht zu geben. Ein Erlebnis hat sich in meinen Kopf gebrannt und es beschreibt die Gelassenheit ganz gut.

Einkauf beim Discounter. Obwohl die meisten Kassen geöffnet sind, haben sich Warteschlangen gebildet. Wir haben ausgerechnet die Kasse erwischt, an der es noch etwas länger als gewöhnlich dauern sollte. Drei Kunden vor uns, ein Herr mit Großeinkauf. Die Kassiererin zieht alles über das Band und nennt ihm die Summe. Der Kunde greift sich in alle Taschen, findet aber seine Geldbörse nicht. Er spricht nervös mit der Kassiererin und entfernt sich in Richtung Ausgang. Trotzdem geht es nicht weiter, alle warten, niemand meckert. Der Kunde kommt nach einigen Minuten zurück und bezahlt seinen Einkauf. Und erst jetzt geht es weiter. Ich habe versucht mir vorzustellen, dies wäre in einem deutschen Supermarkt passiert. Dort wäre sicher so manche lautstarke Protest gekommen.

Von klein auf habe ich gelernt dass Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sehr wichtig sind. Daher ist es mir sehr schwer gefallen, mich an Unpünktlichkeit und verschobene Termine zu gewöhnen. Mittlerweile sage ich selbst ich komme gegen xx Uhr und nicht mehr ich komme um. Ich habe gelernt um 10 Uhr, kann schon um halb zehn sein, aber genauso gut erst wesentlich später. Und ich kann damit mittlerweile auch sehr gut leben.

Was mich ebenfalls begeistert, hier ist der Kunde noch König. Wenn man im Geschäft um Hilfe bittet, eine Reklamation hat und umtauschen möchte, geht dies mit Freundlichkeit vonstatten. Selbst ein Umtausch ohne Kassenbon war bisher kein Problem. Die Post ist täglich im Dorf, und ich kann bei Bedarf meine Post mitgeben, Rechnungen bezahlen, oder Geld abheben. Alles ohne zusätzliche Kosten, es gehört zum Service dazu. Die vielen fahrenden Händler und der Tante Emma Laden, die es in fast jedem Dorf noch gibt, machen die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs einfach.

Aber auch die Ruhe und Artenvielfalt der Natur haben einen ganz besonderen Reiz. Hier habe ich Insekten, Vögel und Schmetterlinge kennengelernt von denen ich zuvor nicht wusste dass es sie gibt. Fährt man von einem Ort zum anderen, gibt es noch reichlich Natur, und außer in den größeren Städten ist nicht alles mit Mehrfamilien Häusern zugepflastert. Die meisten Ungarn wohnen in ihren eigenen Häusern, auf ihrem Land bauen sie Obst und Gemüse an. Einige halten sich zudem Hühner, Schweine oder Rinder und sind somit größtenteils Selbstversorger. Manche aus Not, weil ihr Geld nichts anderes zulässt, andere aus Gewohnheit weil es immer so gehandhabt wurde.

Ebenfalls ein großes Thema, Hilfsbereitschaft. Auch dies ist hier, zumindest im ländlichen Raum, noch selbstverständlich. Wenn man als Neubürger bereit ist, sich auf die Ungarn und ihre Lebensweise einzulassen, und nicht alles verändern, verbessern, will, dann wird man herzlich aufgenommen. Kommt dann noch ein wenig Sprache hinzu, wird es noch besser. Probleme bekommen diejenigen, die meinen mit ihrem Geld können sie sich alles erlauben. Die sich für viel Geld Arbeiter kaufen, was zur Folge hat, das ein durchschnittlicher Ungar sich keine Hilfe mehr leisten kann. Denn natürlich arbeitet man dort wo man mehr Geld verdienen kann.

Für uns sind alle diese Punkte ausschlaggebend wenn uns jemand fragt Warum? Und natürlich das wir hier mit unserem Geld sorgenfreier leben können als in Deutschland.

Von Gabriella

2 Gedanken zu „Warum?“
  1. Danke für die vielen Berichte. Ich überlege mir auch
    schon seit längerem ein Übersiedeln nach Ungarn. Sorgen habe ich wegen der Sprache, habt Ihr vorher Unterricht genommen? Und was wird,wenn Herr Orbán gehen muss und die Demokraten an die Macht kommen, dann gibt es Zustände wie in D und das brauche ich dort nicht. Wir leben hier Recht sparsam mit einer Rente von 1.200 € Rente, reicht das in Ungarn zum Leben?

    1. Es kommt natürlich auf die Region und eure Ansprüche an. Aber ich denke es ist möglich mit dem Betrag zu leben.
      In die Zukunft kann natürlich niemand schauen, aber ich denke dass Orbán oder zumindest seine Partei noch Oberwasser hat

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