Di. Okt 4th, 2022

Es vergeht kaum ein Sonntag, in der dunklen Jahreszeit, an dem ich nicht in Tiere suchen ein Zuhause reinschaue. Gestern ging es unter anderem um das Thema unvermittelbar. Weil die Tiere nicht so funktionieren, wie Mensch es gerne hätte. Immer wieder werden Tiere zurück gegeben, weil sie ihre Geschichte mitbringen und somit nicht pflegeleicht und dankbar sind.

Ich möchte Euch die Geschichte unserer Hündin Lucy erzählen. Als sie zu uns kam war sie 14 Monate alt. Mein Mann wollte keinen eigenen Hund, war aber begeistert von Zwergpinscher unseres Sohnes. So groß konnte die Abneigung also nicht sein. Als ich dann durch Zufall das Inserat sah, wo ein Zwergpinscher Mix ein Zuhause suchte bat ich meinen Sohn mit mir dort hin zu fahren.

Lucy

Lucy lebte laut Anzeige auf einer Pflegestelle und wurde aus schlechter Haltung befreit. Die Dame vom „Tierschutz“ empfing uns vor dem Haus. Bevor wir Lucy sehen durften, erzählte sie uns das Lucy bei einer Familie gelebt hat und dort von den Kindern misshandelt wurde. Sie hätten den Hund mit ihren Rädern und Bobbycar ständig angefahren. Daraufhin hätte sie das Tier dort heraus geholt. Sie fragte aber nicht ob wir Kinder haben.

Dann ging sie mit uns in den Garten, zwei riesige Hunde, Pferde und Lucy lebten dort. Die Hunde waren beide mit großen, deutlich sichtbaren, Geschwüren belastet. Aber laut Aussage der Dame in Behandlung und es gehe ihnen soweit gut.

Lucy immer alles im Blick

Lucy begrüßte uns bellend und kam nach wenigen Minuten neugierig näher und ließ sich streicheln. Ich verliebte mich sofort in das Tier. Aber auch wenn nicht, ich glaube dort hätte ich sie trotzdem nicht gelassen, es wirkte alles viel zu schmuddelig und die Tiere verbrachten den ganzen Tag im Garten, da die Dame berufstätig war und die Tiere dann nicht im Haus haben wollte.

Das ganze kennenlernen dauerte zehn bis fünfzehn Minuten, dann kam die Frage ob wir Lucy mit nehmen wollen. Nicht eine Frage nach unserer Wohnsituation, ob andere Hunde im Haushalt sind, oder ob wir Erfahrungen mit Hunden haben. Tierschutz habe ich mir immer anders vorgestellt. Ich sagte dass ich Lucy sehr gerne nehmen würde. 50€ verlangte sie dafür, dann konnten wir mit Hund den Ort verlassen.

Kaum Zuhause angekommen stellte ich fest dass überall rote Tropfen auf dem Boden sind. Ich hatte eine läufige Hündin bekommen. Prima an einem Sonntag, woher jetzt ein Höschen und Einlagen bekommen? Kein Hinweis von der Tierschützerin.

Doch dies war unser kleinstes Problem. Lucy hatte ein Problem mit meinem Mann. Er durfte sie zuerst gar nicht anfassen, später dann bedingt. Lucy schnappte immer wieder nach ihm. Gebissen hat sie nicht, aber das schnappen reichte als Drohung völlig aus. Mehr als einmal war Achim an dem Punkt, ich solle Lucy zurück bringen. So einen Hund wollte er nicht in deiner Nähe haben.

Die nächsten Wochen forderten uns ganz schön. Achim fütterte Lucy am Abend mit einem Leberwurst Brot, was die auch gerne annahm. Aber kaum war das Brot verspeist, war Achim wieder der Feind. Mit mir hingegen kuschelte sie gerne und ausgiebig. Spazieren gehen, eine weitere Herausforderung. Egal wem oder was wir begegneten, alles wurde angebellt und angegriffen. Wenn wir sie nicht gut gesichert geführt hätten, hätte sie es sogar mit fahrenden Autos aufgenommen.

Hund und Herrchen

Wer Achim und Lucy heute zusammen erlebt, wird mir diese Geschichte sicher nicht glauben. Die beiden lieben sich heiß und innig. Aber es war ein hartes halbes Jahr, in dem sie uns ganz viel Geduld abgefordert hat. Ähnlich wie ein Kind, welches erstmal austesten muss, ob es wirklich geliebt wird, auch wenn es Mist baut. Ganz langsam suchte Lucy unsere Nähe, forderte Kuschelzeit ein, und nach Wochen lag sie das erste Mal bei Achim auf dem Schoß.

Lucy heute

Sie liebt es zu kuscheln, egal ob mit mir oder meinen Mann. Spielen und Toben sind wichtige Bestandteile ihres Tagesablaufs. Besucher werden nach wie vor massiv verbellt, sind aber nicht in Gefahr solange wir in der Nähe sind. Führen wir die Besucher ins Haus, und sie setzen sich, bringt Lucy ihren Ball und das Eis ist gebrochen. Dann dürfen auch die Gäste sie streicheln und mit ihr kuscheln. Spaziergänge sind ebenfalls entspannter, wenn auch nicht immer problemfrei, jede Unachtsamkeit unsererseits wird ausgenutzt. Zumindest springt sie aber nicht mehr auf die Straße und will Autos angreifen. An Grundstücken mit anderen Hunden lässt sie sich ruhig vorbei führen.

Lucy und Márkó, ebenfalls ein Tierschutz Hund

Aus diesen Erfahrungen kann ich nur sagen, bitte gebt nicht auf. Ein Tier ist ein Lebewesen und keine Maschine. Gerade der Umzug in ein neues Zuhause bereitet ihnen Stress. Besonders wenn ich die Anzeigen lese, sitzt schon auf gepackten Koffern, sehnt sich nach einem warmen Körbchen, könnte ich platzen vor Wut. Denn meistens dreht es sich um Straßenhunde oder Hunde aus schlechter Haltung. Diese haben ein Zuhause verdient, gar keine Frage. Aber sie werden sicher zu Beginn nicht dankbar sein, sondern Angst haben. Viele kennen keine Leine, wissen nicht wie man sich im Haus verhält, und auch Stubenreinheit muss erst gelernt werden. Bist Du dir wirklich sicher, das Du Zeit, Geduld und genug Liebe in dir hast, um deinem Vierbeiner das ankommen zu erleichtern, ihm alles beizubringen damit ihr ein gutes Team werdet? Hast Du die Geduld ihn nicht zu bedrängen, sondern ihn Zeit zu geben bis er zu dir kommt? Vertrauen will erarbeitet werden, und das braucht seine Zeit.

Von Gabriella

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