Di. Okt 4th, 2022

Hin und wieder sitze ich hier und lasse die Gedanken schweifen. Vor allem wenn ich in Facebook in den diversen Gruppen gelesen habe. Ich bin eigentlich nur noch passiver Leser, eine Frage zu stellen wage ich mich fast gar nicht mehr, und kommentieren auch nur sehr selten. Mich schrecken die Feindseligkeiten ab, und ja die ganzen Hassbeiträge. Auch heute wieder, jemand plant ebenfalls nach Ungarn zu ziehen und sucht Erfahrungen und Gleichgesinnte. Einer der Kommentare: wenn Du dich von x und y und z fernhälst ist das schon die halbe Miete. Ich frage mich dann immer, was soll das? Soll ich alle die ich nicht mag diffamieren? Ja es gibt sogar extra Gruppen wo schmutzige Wäsche gewaschen wird. Ja sicher gibt’s auch hier schwarze Schafe, aber wenn ich Probleme habe, kläre ich das privat und nicht öffentlich in den Gruppen.

Was mich auch immer wieder auf die Palme bringt, sind die ständigen Nörgler. Sie finden auch noch das Haar in der Suppe, und wenn sie es erst selbst rein schmeißen müssen. Natürlich ist hier vieles anders als in Deutschland. Aber bin ich nicht aus Deutschland weg, weil vieles mir dort nicht mehr gefallen hat? Weil ich Lust auf ein anderes, neues Leben gehabt habe?

Es fängt beim anderen Lebensrhythmus an. Besonders im Sommer beginnt der Tag sehr früh. Der Rekord hier im Dorf liegt bei 04:20 Uhr, einmal Rasenschneiden mit dem Freischneider. Okay da habe ich auch gedacht, so bekloppt müsste ich sein. Aber später steigt das Thermometer schnell über 40 Grad, und dann möchte man die Arbeit erledigt haben. Ich habe Gäste, wir sitzen draußen und wir müssen keine Angst haben dass um 22 Uhr jemand die Polizei ruft, weil wir immer noch nicht ruhig sind. Mein Gockel ist total verrückt, wenn es drauf hat dann kräht er mitten in der Nacht, egal niemanden stört es. Bis auf ganz wenige Ausnahmen kann ich auch am Sonntag bohren, sägen oder sonstige Arbeiten verrichten. Ich achte immer darauf was machen die anderen im Dorf? Ist es total ruhig, sind wir es auch.

Unsere Entscheidung nach Ungarn zu gehen kam relativ spontan. Ausgelöst durch eine familiäre Veränderung, einen  Zeitungsartikel und immer mehr gesundheitliche Probleme. Zwei Wochen Urlaub im Land, Haus gefunden und sechs Wochen später sind wir umgezogen. Keine langfristigen Planungen, sondern spontan wie unsere ganzen Jahre zuvor auch schon. Über vier Jahre ist das schon her, und es war die beste spontane Aktion in unserer gemeinsamen Zeit.

Viele andere Einwanderer haben wir kennen gelernt, manche wurden zu Freunden, bei anderen reichten wenige Stunden um sich sicher zu sein das man den Kontakt nicht pflegen muss. Einige konnten sich gut verstellen und zeigten erst nach einer Weile ihr wahres Gesicht. Letzten Endes haben wir heute eine handvoll Menschen mit denen wir Umgang pflegen. Stammtische und typisch deutsche Treffen meiden wir wann immer es geht. Es ist oft schon schlimm genug wenn man im Lokal mitbekommt wie sich manche dort benehmen. Mehr als einmal haben wir uns schon fremdgeschämt.

Doch rund achtzig Prozent der Einwanderer brauchen wir nicht. Sie negieren alles, erwarten hier ein zweites Deutschland. Hier einige Beispiele die mir allein in den letzten Tagen aufgefallen sind


1. Mein Nachbar mäht am Sonntag seinen Rasen. Gibt es ein Gesetz damit ich es ihm verbieten kann?
2. Die Hunde im Dorf bellen ständig, wo finde ich eine Tabelle wie lange und wann ein Hund bellen kann?
3. Das Laub, Obst des Nachbarn fällt auf mein Grundstück, kann ich in zwingen seine Bäume zu fällen?
4. Warum muss ich auf ungarischen Behörden ungarisch sprechen? Warum gibt es nicht eine zweite Amtssprache wie z.B. englisch?


Das sind nur einige Beispiele in den letzten Tagen. Ich könnte endlos so weiter aufzählen. Es macht wütend und traurig zu gleich. Was nehmen sich diese Ausländer eigentlich heraus? Sie kommen als Gäste, bekommen ohne große Hürden eine Aufenthaltsgenehmigung und stellen dann noch Forderungen?
Warum haben sie ihr Land verlassen? Warum wollen sie ihre Wahlheimat verändern? Sind es nicht genau diese Menschen die in ihrer Heimat am lautesten geschrien haben? Ausländer sollen sich anpassen, sollen die Sprache lernen, sollen sich an Regeln halten? Und hier wo sie selber Ausländer sind, gilt das alles nicht? Die Gastgeber sollen sich an sie anpassen?

Wir sind glücklich dass es hier noch so entspannt zugeht. Das es kein enges Korsett gibt, welches alles genau regelt und fest legt. Bei Problemen sucht man die Konversation und nicht das Gericht. Natürlich gelingt es nicht immer eine Einigung zu finden, und ich bin sicher dass sich die Ungarn dann auch juristische Hilfe suchen. Aber ganz sicher nicht wegen solcher Kleinigkeiten wie Laub oder überhängende Äste usw. Und wenn ich versuche meine Nachbarn zu erziehen, mache ich mir hier ganz sicher keine Freunde. Und mir bleibt immer noch der Weg zurück wenn ich hier nicht klar komme, wenn ich die Sitten und Gewohnheiten nicht akzeptieren kann. Zum Glück sind wir von diesen Gedanken ganz weit entfernt.

Von Gabriella

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